Beratungskonzept

Menschenbild

Menschen sind Individuen, die in Bezug zueinander existieren. Die Identität entwickelt sich ständig neu unter Beeinflussung des jeweils gegebenen Umfeldes und ist somit abhängig von Kultur, Gesellschaftsform, Politik, Geschlecht, Ethnie. Menschen streben nach Veränderungen und haben die Fähigkeit des schöpferischen, visionären Tuns.

Wenn Menschen sich selbst als Person erkennen, wird ihnen deutlich, dass sie es sind, die ihr Leben gestalten und sich erschaffen. Jede Frau und jeder Mann bestimmt, was sie mit ihrem Leben macht, wie er es ausgestaltet und was für sie lebensgebend ist. Der Begriff der "Person" beinhaltet, dass sich Frauen und Männer im Gesamtgefüge einer Gesellschaft als verantwortlich handelnde Menschen wahrnehmen. In ihm ist die Freiheit vor Fremdbestimmung mitformuliert. Die die Person umgebenden Verhältnisse werden kritisch geprüft und auf ihre Veränderbarkeit hin untersucht. Neue und weitere soziale Handlungsmöglichkeiten werden entwickelt und ausprobiert.

Soziale Handlungsfähigkeit ist die Kompetenz einer Person sich im sozialen Gefüge einer Gesellschaft zu bewegen. Dies umfasst sowohl den privaten wie den öffentlichen Bereich. Soziale Handlungsfähigkeit bedeutet, dass die eigenen Handlungsspielräume innerhalb der verschiedenen Ebenen von Privat und Öffentlichkeit, Beruf und Familie sowie Kultur, Spiritualität, Eigenleben bewusst gestaltet werden.

Menschen verfügen über verschiedenste Ressourcen. Als Person erkennen sie diese und nutzen sie. Sie entscheiden grundsätzlich und jeden Tag neu, zu was und wem sie ja oder nein sagen. Indem sie diese Entscheide begründen treten sie ein in die Definitionsmacht und ordnen die gesellschaftlichen, beruflichen, privaten und eigenen Zusammenhänge. Personen, die sich ihrer Definitionsmacht bewusst sind, bestimmen in Auseinandersetzung mit sich selbst und mit den sie umgebenden Verhältnissen welche Persönlichkeitsstruktur, welches Geschlecht, welche Gruppenzugehörigkeit usw. sie haben wollen und gestalten diese. So definieren sie immer wieder die sie umgebenden Verhältnisse mit oder neu.

Supervision

Gesellschaftliche, berufliche, private und persönliche Bedingungen stellen Grenzen innerhalb der eigenen Entscheidungs- und Entwicklungsmöglichkeiten dar. Diese Grenzen gilt es als Person zu erkennen und zu entscheiden, wie mit ihnen umgegangen werden soll. Es geht mit anderen Worten darum, das Eigene, die Persönlichkeitsstruktur, die sozialen Handlungsfähigkeiten zu überprüfen, persönliche, berufliche, gesellschaftliche Zusammenhänge zu analysieren und sich immer wieder zu sich selbst und zu den Verhältnissen in Bezug zu setzen.

Hierzu werden Niederlagen oder ein Scheitern analysiert und als Chance und Entwicklungsmöglichkeit begriffen. Ressourcen werden erkannt und optimiert. Es wird gelernt, sich selbst reflektierend wahrzunehmen und ins Verhältnis zur Umwelt zu setzen.

Das bedeutet für die jeweiligen Menschen, wie auch immer sie ihre Identitäten definieren, jeweils andere Inhalte in unserer patriarchal strukturierten Welt. Für Alle bedeutet es, herauszutreten aus dem Leiden der Passivität, aus dem Rückzug und der Zurückhaltung. Von da aus geht es in die Auseinandersetzung mit den eigenen Möglichkeiten und den analysierten Grenzen. Um es poetisch mit den Worten von Christa Wolf auszudrücken: "Es geht darum, dass zu denken, was eigentlich nicht geht, um das zu tun, was eigentlich nicht geht." Und dann geht es darum, zu der Person zu werden, zu der sie oder er in der Lage ist. Das ist ein Prozess, in dem die Phasen Erlebnis, Erfahrung, Alltagswissen, Wissen, Wertesystem, Theoriebildung, Erlebnis ... immer wieder in spiralförmiger Art durchlaufen werden.

Für Systeme - Organisationen, Institutionen, Betriebe, usw. - bedeutet das, dass sie daraufhin überprüft werden, ob sie zur Optimierung der Entfaltung der in ihr arbeitenden Personen beitragen. Systeme dienen dazu, dass Personen in Strukturen tätig sein können, die ihre persönliche, berufliche und zwischenmenschliche Entwicklung fördern. So wird Arbeit zu einem identitätsstiftenden Moment und trägt zur Förderung des Personseins bei. Da genau dieser Aspekt in wenigen Systemen zu finden ist, sind Einzelsupervision, Teamsupervision und Systementwicklung eng miteinander verbunden.

Innerhalb von Teams werden Strukturen überprüft und angepasst, zwischenmenschliche Störungen auf die Personebene gebracht und damit lösbar gemacht. Da Personen in der Lage sind Zusammenhänge zu definieren, wird hier Definitionsmacht ein- und ausgeübt.

Innerhalb von Gruppensupervisionen werden die vorhanden Ressourcen genutzt für die immer wieder neu stattfindende Personwerdung.

Methodische Zugänge

Themen, Inhalte, Rhythmus werden von der Klientin bestimmt. Der Rahmen in dem der supervisorische Prozess stattfindet, wird in Zusammenarbeit mit dem Klienten erarbeitet. Der Prozess wird durch die Supervisorin mit Empathie und Konfliktfreudigkeit begleitet. Verschiedene Methoden werden auf der Grundlage von Gerechtes Sprechen angewandt. Das Ziel wird immer wieder durch Standortanalysen überprüft.

Cornelia Schinzilarz